Die akustische Selbstkontrolle ist ein wirksames und hoch effizientes Mittel für jeden Musiker, um sein eigenes Spielen, seinen Klang und seine Ausdrucksweise nachhaltig zu optimieren. Die heutigen technischen Möglichkeiten bieten ein Füllhorn an Varianten und Hilfen dafür. Unser Speaker Prof. Dr. Joachim Stange-Elbe informierte im Online Seminar „Sich selbst zuhören – die akustische Selbstkontrolle“ zu genau diesem Themenbereich die zahlreichen Teilnehmer. Viele spannende Fragen wurden während des Online Seminar im Live-Chat gestellt und nicht alle konnten in der kurzen Zeit beantwortet werden. Nachfolgend haben wir für Euch die häufigsten Fragen, die offenen geblieben sind, zusammengestellt und dankenswerter Weise hat Prof. Dr. Joachim Stange-Elbe alle Fragen noch beantwortet.

Frage: Kann man ein spezielles Zoom-Gerät empfehlen (H4, H6, H8, Q8)?

Antwort: Nein. Das hängt von ein eigenen Ansprüchen und vom Geldbeutel ab. Für diese Frage ist eindeutig der Fachhandel zuständig.


Frage: Was würdest Du für eine Aufnahme mit Alphorn im Freien empfehlen, bei der gewollt ist, dass z.B. Vogelstimmen mit aufgenommen werden?

Antwort: Ich vermute, dass die Hintergrundgeräusche als Atmosphäre mit zur Aufnahme gehören sollen. Das kann als AB-Aufnahme realisieret werden. Mit zwei Kondensatormikrofonen, die eine Kugelcharakteristik (am besten nicht umschaltbar) haben und in einem angemessenen Abstand untereinander und zum Alphorn aufgestellt sind. Echte Druckempfänger (nicht umschaltbare Kugeln) sind nicht windempfindlich, und der Frequenzgang ist linear. Zudem wird die Umgebung voll aufgezeichnet. In Räumen mögliche Nachteile durch Wand- und Deckenreflexionen fallen bei dieser Art von Aufnahme nicht ins Gewicht, da sie im Freien stattfindet.


Frage: Welche Mikrofonierung eignet sich am besten für Tenorhorn, Euphonium, Tuba? Soll man nur ein Mic verwenden? Was ist, wenn man zwei hat? Oder bringt das gar nichts? (bezieht sich auf Aufnahmen bei der Software „Audacity“)

Antwort: Kleine Räume (wie Saxophon in Übungszimmern) haben oft eine schlechte Akustik. Es empfiehlt sich daher, mit dem Mikrofon eher nah an die Instrumente zu gehen. Bei allen Blasinstrumenten: werden die „schönen“ Klangkomponenten mehr senkrecht zum Instrumentenkorpus abgestrahlt, also das Mikrofon nicht auf die Öffnung, sondern eher schräg auf die Ventilklappen richten. In der „Übezelle“ ist ein Nierenmikrofon die bessere Wahl, das Resultat klingt wesentlich besser als eine Kugel (wegen der unschönen Reflexionen).


Frage: Welche Kopfhörer eignen sich für (Mehrspur-)Aufnahmen (offen, halboffen, geschlossen)?

Antwort: Nur geschlossene Kopfhörer verwenden, aus denen keinerlei Schall nach draussen dringt, der sonst mit dem neuen Instrument mit aufgenommen werden würde.


Frage: Kann man mit einem Mic Stereo Aufnahmen machen?

Antwort: Nein, dazu braucht es definitiv zwei Mikrofone oder einen „Handyrecorder“.


Frage: Wie kann man die Lautstärken angleichen in einem zusammengeschnittenen Projekt?

Antwort: Wenn alle Spuren im Audioeditor eingeladen sind – oder die einzelnen Audioclips nacheinander zu einer Spur zusammengefügt worden sind -, wird alles markiert und mit dem Effekt „Normalize“ angeglichen. Der Zielwert sollte unter 0dB liegen, auch hier gilt es, durch Probieren die geeignete Einstellung zu finden.

Prof. Dr. Joachim Stange-Elbe

Musikwissenschaftler

Joachim Stange-Elbe studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Universität Freiburg i.Br. und promovierte über „Die Bedeutung der elektroakustischen Medien für die Musik im 20. Jahrhundert“. Er arbeitete als Regieassistent am Freiburger Theater (Abteilung Oper), als Redaktionsassistent beim Südwestfunk (Abteilung E-Musik) sowie als freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZKM Karlsruhe.

Nach seiner Habilitation an der Universität Osnabrück über computergestützte Analyse und Performance wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter am Institut für Musikwissenschaft an der Universität Rostock, Mitarbeiter des WissPro Projektes an der Musikhochschule Lübeck und ist derzeit Lehrbeauftragter an den Universitäten Hamburg und Lübeck (am Institut für Multimediale und Interaktive Systeme). Als freier Dozent unterrichtet er an privaten Schulungseinrichtungen.

Seine Themenschwerpunkte sind Musik- und Medientechnologie (Computermusik, Aufnahme und Bearbeitung von Musik), musikgeschichtliche Vorlesungsreihen (mit dem Schwerpunkt der Musik im 20. Jahrhundert) und musiktheoretische Aspekte (allgemeine Musiklehre und Harmonielehre).