Alexander Wurz ist ein Vollblutmusiker: Solist und Orchestermusiker, Dozent und Dirigent – und das alles mit Leidenschaft. Prägend war für ihn die Zeit als Militärmusiker beim Luftwaffenmusikkorps. Nach dessen Auflösung verfolgt er mit Ehrgeiz seine Solo-Karriere. Neuester Meilenstein ist seine erste Solo-CD „All of me“. „Ein Muss für alle Tenorhornspieler“ findet Musikerkollege Carsten Ebbinghaus. Nicht nur, meint unsere Redakteurin Martina Faller.

Im badischen Hügelsheim bei Rastatt beginnen Musikerkarrieren normalerweise im heimischen Musikverein. Und meistens enden sie dort auch. Alexander Wurz macht da eine Ausnahme. Zwar führte auch sein Weg zwangsläufig über den Musikverein, immerhin musizierten der Vater und seine Brüder dort ebenfalls. Nach der Schulzeit jedoch war ihm schnell, spätestens aber nach dem Wehrdienst, den er bei Luftwaffenmusikkorps leistete, klar, dass Musik genau „sein Ding“ ist und er den Weg zum Berufsmusiker einschlagen will. Allerdings nicht mit dem Instrument, das er als Siebenjähriger einst zu spielen begann. Schuld daran war seine Liebe zur Polka. „Für einen Schlagzeuger hat eine Polka nur wenig an Herausforderung zu bieten“, weiß Wurz. Sehnsüchtig muss er von seinem Platz in der hintersten Reihe des Orchesters auf die Tenorhornisten geblickt haben. Und weil zu Hause ohnehin immer ein Tenorhorn und eine Posaune, die Instrumente von Vater und Bruder, herumlagen, ließ er die Trommelstöcke immer häufiger links liegen und griff immer öfter zu Tenorhorn und Posaune. „Ich habe immer schon einen so guten Ansatz gehabt, dass mein Vater staunte.“

Im Alter von 15 Jahren stieg er endgültig um und war so „angefressen“, dass er stundenlang übte. „Andere gingen Fußball spielen und ich habe geübt“, erinnert er sich, wie er das, was er in die Wiege gelegt bekam, mit Fleiß nach und nach ausbaute. Sein Dirigent Günther Goldammer, Hornist beim Heeresmusikkorps 10 in Ulm, erkannte das Potenzial seines jugendlichen Musikers und empfahl ihm „Komm zu uns“. Alexander Wurz zögerte nicht lange, leistete seinen Wehrdienst beim Heeresmusikkorps 12 Veitshöchheim ab und fällte dabei den Entschluss, die Musik zum Beruf zu machen. An der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf studierte er anschließend bei Siegfried Müller und Professor Eckhard Treichel die Hauptfächer Posaune, Tenorhorn/Bariton, Euphonium und Klavier, kehrte 2008 dann als Profi zum Luftwaffenmusikkorps II nach Karlsruhe zurück und blies dort bis zur Auflösung des Korps im Jahr 2014 das erste Tenorhorn. „Das war eine sehr schöne Zeit mit vielen guten Kollegen.“ Besonders zu schätzen wusste er die Breite des Berufsfeldes „Militärmusiker“: die Appelle, die Benefizkonzerte, die Reisen. „Das ist bunt und abwechslungsreich und man kommt viel rum.“ Inzwischen ist Alexander Wurz als freier Musiker „gut unterwegs“. Zugute kommt ihm dabei, dass er als Instrumentalist breit aufgestellt ist, alles beherrscht, was ein Mundstück und vier Ventile hat, und sowohl auf Tenorhorn und Euphonium als auch auf der Posaune ein hervorragender Solist und Orchestermusiker ist. Unter Beweis stellt er seine Qualitäten nicht nur in kleineren Besetzungen wie „Unzerblechlich“, „Five Brass Karlsruhe“, „Die kleine Besetzung“, den „Egerländer Straßenmusikanten“ und den „Golden Trombones“, mit denen er in allen Stilrichtungen von Klassik über Pop bis hin zu Jazz zu Hause und unterwegs ist. Seit 2012 ist er zudem Tenorist im erfolgreichsten Blasorchester der Welt, den „Egerländer Musikanten“. Dort kann er die Musik pflegen, die im Jugendalter den Ausschlag dafür gab, dass er vom Schlagzeug aufs Tenorhorn umstieg und die ihm nach wie vor „sehr am Herzen liegt“. Ernst Hutter weiß, was er an Alexander Wurz hat. „Der Alex legt immer alles rein, was er hat. Und ich kann Ihnen sagen, er hat sehr viel auf der Pfanne.“ „Legt alles rein, was er hat“ – treffender hätte Hutter seinen Tenoristen nicht charakterisieren können.

Mit der ersten eigenen CD wird für Alexander Wurz ein Traum Wirklichkeit

Fast die gleichen Worte, nur auf Englisch, hat Alexander Wurz als Titel für seine erste Solo-CD gewählt. Unter dem Titel „All of me“ versammelt sie, wie Wurz erzählt, Musikstücke, „die mich schon immer berührt und inspiriert haben: Eine Mischung, die mir gefällt“. Für Alexander Wurz wird mit der CD ein Traum wahr. „Das war ein Riesenprojekt, eine tolle Sache!“ Eingespielt hat er das Album mit einem der zur Zeit besten Blasorchester der Welt, dem Musikkorps der Bundeswehr unter der Leitung von Christoph Scheibling. Für Alexander Wurz war die Wahl naheliegend. Immerhin war Oberstleutnant Scheibling sein Chef beim Luftwaffenmusikkorps in Karlsruhe, und Wurz selbst schon mehrfach Gastmusiker beim Musikkorps.

Ohnehin ist die Einspielung zu einer regelrechten Freundschaftsproduktion geworden. Zeichnet doch für die Arrangements sein langjähriger Freund, der Komponist und Arrangeur Peter Riese verantwortlich. Und auch die Gastsolisten stammen aus dem Freundeskreis. Der vielseitige Trompeter Christoph Moschberger ist stolz darauf, mit von der Partie zu sein, um der CD „ein bisschen Jazz einzuhauchen“, und auch der Tenorist des Musikkorps, Carsten Ebbinghaus, freut sich sehr, dass er als Gastsolist an dieser Produktion mitwirken kann. Für ihn wird die CD „ zu einem Meilenstein für das persönliche Weiterkommen und Schaffen von Alexander Wurz“ – eine Einschätzung, mit der er schon vor dem Erscheinen der CD richtig lag. „Die CD schmeißt mich richtig nach vorne“, freut sich Alexander Wurz. Aufgrund des Projekts hat er heute schon viele Anfragen als Solist erhalten. Was nicht verwundert. Die CD, auf der Alexander Wurz sein ganzes musikalisches Spektrum am Bariton, Tenorhorn, Euphonium und an der Posaune zeigt und sein ganzes Können ausspielt, ist wahrlich eine gute Empfehlung: „Spannung, pure Emotionen und Blasmusik auf höchsten Niveau.“

 


(Autor: Martina Faller | Erschienen in der Zeitschrift „blasmusik“ – Ausgabe Februar 2016 – Seiten 20 & 21)